Jul 132020
 

Der stellvertretende Ortswehrführer Kai Standfuß brachte zum ersten Schulungstag der Ortsfeuerwehr Petershagen nach der Unterbrechung wegen der Corona-Epidemie ein Modell einer Handdruckspritze mit. Es handelte sich um das maßstabsgerechte 1:10 – Modell der Handdruckspritze der Freiwilligen Feuerwehr Petershagen aus dem Jahre 1906.

Wie kam es dazu?

Kamerad Tim Harder forschte seit Längerem u.a. im Archiv der Gemeindeverwaltung zur Geschichte der Petershagener Feuerwehr. Er fand mit Unterstützung des Archivars Dr. Krahnke zwar Unterlagen zum Kauf, Bau und zur Finanzierung der Handdruckspritze von 1857, aber zur Nachfolgespritze gab es keine Unterlagen.

Alte Chronikschriften ergaben das Anschaffungsjahr 1906 als Anlass zur Gründung einer organisierten Freiwilligen Feuerwehr im Jahre 1907.

Im Feuerwehrgerätehaus hingen einige Fotos mit der Handdruckspritze aus 1912 und den 20iger Jahren.

Mit diesen Fotos fragte Kamerad Harder beim Deutschen Feuerwehrmuseum in Fulda nach Rat, um den Hersteller und den Typ der Spritze zu erfragen. Er vermutete eine Spritze der Fa. Ewald in Küstrin. Vom Museum konnte aber ermittelt werden, dass es sich um eine „Leichte Stadt- und Land-Omnibusspritze Nr.1“ der Firma Hermann Koebe aus Luckenwalde handelte. Das Museum übergab dazu Kopien des Kataloges der Fa. Koebe vom 16. Deutschen Feuerwehrtag in Mainz 1904 mit einigen technischen Detailangaben.

Kamerad Harder suchte auch nach dem Verbleib der Handdruckspritze, die nach dem II. Weltkrieg noch einige Jahre im alten Spritzenhaus in der Dorfstraße stand. Keiner der älteren Kameraden konnte dazu aber konkrete Angaben machen. Auch ein Artikel in der MOZ vom 30.09.2011 und im Ortsblatt „Doppeldorf“ ergab keinen Erfolg.

Mit den Fotos und den Hinweisen des Feuerwehrmuseums suchte Kamerad Harder deshalb nach einem Modellbauer, der aus diesen Angaben ein maßstabsgerechtes Modell anfertigen kann. In einer Feuerwehr-Fachzeitschrift fand er einen Bericht über einen Modellbauer. Der Feuerwehrhistoriker und Hobbybastler Hermann Schüler aus Haselünne in Niedersachsen stellte sich nach gutem Zureden der Aufgabe und fertigte von Hand akribisch und detailgetreu das Modell der Spritze. Wegen seiner zwischenzeitlichen schweren Krankheit dauerte der Bau aber dann mehrere Jahre.

Tim Harder unterstützte den Modellbau durch das Abnehmen von Vergleichsmaßen und Detailfotos von verschiedenen Handdruckspritzen in Museen und Feuerwehren, so auch bei der FF Rehfelde. Die grüne Farbgebung der Spritze ist eine freie Interpretation, da es keine Angaben dazu gibt und rot als Feuerwehrfarbe 1906 noch nicht Standard war.

Die Qualität des Modells ist so gut, dass das Deutsche Feuerwehrmuseum in Fulda es auch kaufen würde.

Kamerad Harder verzog voriges Jahr in die Schweiz, um sich neuen beruflichen Aufgaben zu stellen, so das er das fertige Modell nicht persönlich an seine ehemaligen Kameraden übergeben konnte.