Mrz 132021
 

Brände, Stürme, die Schweinepest und vieles andere mehr haben im vergangenen Jahr die Feuerwehr in Märkisch-Oderland beschäftigt. Corona war aber eine der größten Herausforderungen.

Die MOZ – Lokalredaktion Strausberg hat im „Märkischen Echo“ für jeweils ganzseitige Berichte in den zurückliegenden Wochen neun Freiwillige Feuerwehren in Städten und Gemeinden des Altkreises Strausberg besucht, sich in deren Gerätehäusern umgeschaut und mit den Wehrführern über das zurückliegende Jahr gesprochen.

Zusammenfassend dazu einen Bericht von Irina Voigt und die Stellungnahme unseres Kreisbrandmeistes Sebastian Nestroy:

In diesem Jahr gab es bisher noch keine der ansonsten üblichen Jahreshauptversammlungen der Freiwilligen Feuerwehren. Die Treffen sind traditionell Anlass, Bilanz zu ziehen, Beförderungen vorzunehmen, Ehrungen und Auszeichnungen zu vergeben. Und sie sind ein beliebter Grund, in geselliger Runde zusammenzukommen, sich mit Freunden und Familienangehörigen zu treffen – mit genau denen, die das Jahr über oft Rücksicht nehmen und manches Mal hintenan stehen, wenn die Sirene oder die Pieper zum Einsatz rufen. Zu kurz gekommen ist in diesem Jahr bisher auch die öffentliche Würdigung der Leistungen durch die Verwaltungen von Gemeinden oder Städten als Träger des Brandschutzes.

Die MOZ hat in den zurückliegenden Wochen neun Freiwillige Feuerwehren in Städten und Gemeinden besucht, sich in deren Gerätehäusern umgeschaut und mit den Wehrführern über das zurückliegende Jahr gesprochen. Immer wieder ging es dabei um die besonderen Probleme, die die Corona-Pandemie mit sich bringt. Mancherorts wurden die Schulungen und Trainingseinheiten ausgesetzt, in Vogelsdorf beispielsweise organisierte man 1:1-Übungsstunden, in Müncheberg richtete die Wehrführung den Versammlungsraum mit gleich zwei Whiteboards so her, dass alle Hygieneanforderungen eingehalten werden konnten.

Kreisbrandmeister Sebastian Nestroy lobt in diesem Zusammenhang das Engagement der Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren zwischen Hönow und Müncheberg. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Trainingsstand bei unseren Einsatzkräften bereits vorher auf gutem Niveau gewesen ist. Wir können daher davon ausgehen, dass uns die kleine Pause vielleicht auch ganz gut getan hat. Grundsätzlich gab es keine Einschränkungen bei der Einsatzbereitschaft und alle anfallenden Einsätze konnten in gewohnter Weise abgearbeitet werden“, schätzt er die Lage ein. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr hätten einen guten Ausbildungsstand, sagt Nestroy. „Die Herausforderungen werden darin liegen, die durch die Pandemie ausgefallenen Lehrgänge zum Truppführer, Maschinisten, Atemschutzgeräteträger und Sprechfunker nachzuholen und natürlich den Bedarf für 2021 zu decken.“

Weiter müsse ein Augenmerk auf die Fortbildung der Führungskräfte gelegt werden. Man werde sich vor allem dem Thema Langzeitlagen und deren Herausforderungen stellen müssen. „Das dafür erforderliche Management muss ausgebildet und regelmäßig trainiert werden. Entsprechende Konzepte sind erarbeitet. Leider konnten sie wegen der Corona-Pandemie noch nicht angewandt werden“, sagt Nestroy.

Das vergangene Jahr erforderte zwar bei den Zusammenkünften in der Freizeit, den Einsatzauswertungen im Nachhinein, bei den Präsentationen der Wehren, bei den Treffen mit Kindern in Schulen und Kitas einige Abstriche. Aber beim Einsatzgeschehen wurde von den Kameraden „das Übliche“ verlangt. „Und es gab Einsätze, die weit über das hinaus gingen“, sagt Nestroy. Einsätze, bedingt durch extreme Wetterlagen, langanhaltende Hitze und Trockenheit oder mehrfach im Jahr orkanartige Stürme mit massiven Regenfällen, bis hin zum Tornado in Teilen der Region um Strausberg und Altlandsberg, haben sich „zur Regelmäßigkeit“ eingestellt.

Und wir werden auch in Zukunft weiter mit diesen Herausforderungen leben müssen“, sagt der Kreisbrandmeister. Noch nie sei die Brandschutzeinheit im Landkreis so oft gefordert worden, wie in den zurückliegenden drei Jahren. „Das ist ein Zeichen, dass wir uns als Feuerwehr mehr mit dem Thema der Langzeitlage beschäftigen müssen.“

Stolz führten die Kameraden zuletzt in jedem der Gerätehäuser ihre Anschaffungen vor. Da wurden neue Tanklöschfahrzeuge, Mannschaftstransportwagen und neu angeschaffte Kleidung für Atemschutzgeräteträger gezeigt oder neue Helme. Für die Führungsunterstützung wurde eine hochmoderne Drohne beschafft, die in Vogelsdorf stationiert ist. Diese kam, wie auch die neue mobile Führungsstelle, bereits bei der Suche nach an der Schweinepest verendeten Wildschweinen zum Einsatz. „Der Zustand der Feuerwehrgerätehäuser gerade im Altkreis Strausberg recht gut. Ich sehe hier aktuell keine großen Probleme, da nach meiner Auffassung die Träger des Brandschutzes dies ganz gut im Blick haben“, sagt Nestroy.

Aber es wurden auch Wünsche laut. Im Hoppegartener Gerätehaus sei es viel zu eng, hieß es. Mancherorts fehlten noch Voraussetzungen für das von Arbeitsschutz und Hygiene nach Einsätzen gebotene Schwarz-Weiß-Prinzip. Und in manch einer Wehr träumt man von einer Waschhalle oder auch ausreichenden Parkplätzen.

Wie geht der Landkreis mit diesen Wünschen um? Sebastian Nestroy erklärt: „Ganz allgemein gesprochen nimmt auch der Landkreis seine Aufgabe sehr ernst und ist, was die investiven Mittel angeht, sehr gut aufgestellt. Auch bei der Unterstützung kleinerer Wehren über das Kreisentwicklungsbudget wird hier ein guter Weg beschritten.“ Der Landkreis habe seine Gefahrstoffeinheit mit einem neuen Gerätewagen Gefahrgut ausgestattet. Und es wurde eine neue mobile Führungsstelle beschafft. „Allein diese beiden Posten stellen eine Investition von gut 900.000 Euro dar.“